Themenspeicher Jahresabschlussanalyse

Auf dieser Seite werde ich in lockeren Abständen Klassiker aus der Jahresabschlussanalyse darstellen.

Kapitalflussrechnung

Definition

Die Kapitalflussrechnung ist eine wirtschaftliche Messgröße mit deren Hilfe man die Zahlungskraft eines Unternehmens beurteilen kann. Diese stellt die reinen Zahlungsströme dar (ausschließlich auf eine Periode bezogenen Einzahlungen und Auszahlungen). Die Kapitalflussrechnung wird aufgestellt, um festzustellen:
  • ob ein Unternehmen aus eigener Kraft Investitionen tätigen kann,
  • wie viel Geld für Schuldentilgung, für Investitionen und zur Ausschüttung an Aktionäre vorhanden ist
  • inwieweit Insolvenzgefahr besteht.
 Ein über die Jahre hinweg bestehender negativer Kapitalfluss führt in aller Regel zur Insolvenz.

Ermittlung

Im Zeitalter elektronischer Datenverarbeitung ist die Erstellung einer Kapitalflussrechnung kein Problem mehr.

Knöpfen drücken ... fertig!

Dumm nur, wenn man dann nicht weiß, wie sich die Werte ermitteln. Als Grundlage dient - zumindest in Deutschland - die Vorlage des Deutsche Standardisierungsrates (DSR) DRS Nr.2. Doch zeigt einem die Vorlage nicht, wie man vorgehen muss, um eine Kapitalflussrechnung zu erhalten.Deshalb habe ich in einem Flussdiagramm, die Arbeitsschritte dargestellt, die zur Ermittlung notwendig sind.

Flussdiagramm "Kapitalflussrechnung ermitteln"


Durchführung der Kapitalflussrechnung

DIE ANLAGEN ZU DIESEM ABSCHNITT
-ANLAGENSPIEGEL
-ANLAGEN

Der Auftrag

Schon wieder ein Auftrag, dem nicht ausgewichen werden kann. Es ist Freitagnachmittag (kurz nach 14.00 Uhr) und der Server ist ausgefallen. Der Chef braucht umgehend – was soviel wie sofort heißt – eine Kapitalflussrechnung für das Wirtschaftsjahr 2003.

Ruhig Blut !

Wie geht es weiter?

Nachdem sich die erste Panik gelegt hat (14:05), schauen wir mal, was uns zur Berechnung zur Verfügung steht. Zunächst ist da der „alte Jahresabschluss“ 2003 (Anlage 1). Wichtig ist hier, dass dieser auch gleich mit Vorjahreswerten ausgewiesen wurde. Ansonsten müssen wir auch den 2002er Jahresabschluss für die Bestände zum 01.01.2003 besorgen.
Liegen aus der Jahresabschlussanalyse bereits aufbereitete Bilanzen vor, können diese verwendet werden. Wenn nicht, ist das auch nicht tragisch, denn für die Kapitalflussrechnung ist nicht zwingend eine aufbereitete Bilanz notwendig. Zusätzlich haben wir noch Angaben aus der Gewinn- und Verlustrechnung 2003 (Anlage 2), aus dem Anlagenspiegel (Anlage 7) und auch darüber ob und welche Auszahlungen bzw. Einzahlungen von Gesellschaftern vorgenommen wurden (Anlage 2).

Dann kann es gleich losgehen (14:12). Wir müssen uns nur noch entscheiden, nach welchem Schema bzw. Modus wir die Kapitalflussrechnung aufstellen. Grundsätzlich kann man zwischen der direkten Methode (Ermittlung aller zahlungswirksamen Geschäftsvorfälle) und der indirekten Methode (ausgehend vom Jahresüberschuss werden alle nicht zahlungswirksamen Geschäftsvorfälle eliminiert) wählen.

Sofern ein Unternehmen nach § 297 (1) HGB verpflichtet ist, eine Kapitalflussrechnung zu erstellen, so ist das Schema der deutschen Standardisierungsrates (DSR) anzuwenden. Weil wir auf Nummer sicher gehen wollen, werden wir eine Kapitalflussrechnung mittels der indirekten Methode nach dem Schema des DSR erstellen (Anlage 4) und zur Sicherheit eine Verprobung mittels der direkten Methode nach „freiem Schema“ (Anlage 3) erstellen.


Als kleines „Bonbon“ liegen uns die Summen- und Saldenliste (Anlage 5) und die Gewinn- und Verlustrechnung nach Konten (Anlage 6) vor (14:15).

Welche Aussage gewinnen wir aus der Kapitalflussrechnung?
Die Kapitalflussrechnung soll den Mittelfluss aus folgenden Sparten voneinander trennen:
  • aus laufender Geschäftstätigkeit
  • aus Investitionstätigkeit
  • aus Finanzierungstätigkeit
  • und die Veränderung des Finanzmittelfonds (Barvermögen) darstellen.

Laufend Geschäftstätigkeit
Damit es gleich richtig losgehen kann, müssen die „Bewegungen“ in der Bilanz festgestellt werden. Denn bei der Kapitalflussrechnung sind nur Stromgrößen interessant. Zunächst reicht es, sich zu merken, dass für den Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit nur die Bewegungen im Umlaufvermögen und im Fremdkapital zu berücksichtigen sind.

Da es bei der Kapitalflussrechnung darum geht, welche Gelder tatsächlich geflossen sind, lassen wir alles außen vor, was nicht zahlungswirksam war. Außerdem schmeißen wir hier all das ´raus, was in die Sparte Investitionstätigkeit (wobei auch Abschreibung und Anlagenverkauf dazu gehört) und Finanzierungstätigkeit fällt.

Zu Aufwärmen beginnen wir mit der indirekten Methode (Anlage 4).
Laufende Geschäftstätigkeit (1.) ist leicht abzuarbeiten, da der Jahresüberschuss direkt aus der Gewinn- und Verlustrechnung übernommen werden kann. Hier tragen wir also 102.295 EUR ein (14:17).

Die Abschreibung für (2.) kann direkt aus der Gewinn– und Verlustrechnung bzw. aus dem Anlagespiegel übernommen werden. Bei der Abschreibung fließt kein Geld, daher rechnen wir 33.311 EUR als nicht zahlungswirksam hinzu (14:18).

Für die Änderung der Rückstellungen (3.) müssen wir nun in die Bilanz schauen. Siehe da, die Rückstellungen haben sich in 2003 um insgesamt 8.339 EUR erhöht. Das bedeutet, dass mein Gewinn geschmälert wurde, obwohl wir keine Ausgabe (=Mittelabfluss) hatten. Das wird sofort korrigiert, in dem diese Summe hinzugerechnet wird (14:20).

Weiter geht es nun mit (5.): Für die Gewinne, bzw. Verluste aus dem Abgang von Anlagevermögen müssen wir einen Blick in die Konten werfen, da wir ermitteln müssen, ob wir einen Gesamtgewinn oder Gesamtverlust gemacht haben. Sieht gut aus! Wir haben Anlagegüter mit einem Buchwert von 15.108 EUR (Konto 2315) für 25.120 EUR (Konto 8820) verkauft. Wunderbar! Gehört trotzdem nicht hierher. Der Saldo von 10.013 EUR wird abgezogen, da dieser bei dem Cash-Flow aus Investitionstätigkeit berücksichtig werden muss (14:24).

Schließlich packen wir noch die sonstigen Bewegungen der Aktivseite (6.) (insgesamt -1.450 EUR) und Passivseite (7.) (insgesamt –26.069 EUR) dazu und erhalte einen Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit von 106.413 EUR (14:28). Investitionstätigkeit Aus unseren Recherchen zum Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit wissen wir noch, dass wir aus dem Verkauf von Anlagegüter 25.120 EUR Einnahmen (= Mittelzufluss) hatten. Hier gehören diese hin (9.) und erhöhen meinen Cash-Flow. Dieses Geld haben wir tatsächlich aus dem Verkauf von Anlagegütern erhalten.

Bei den Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen (10.) sind schlicht die Zugänge aus dem Anlagespiegel zu erfassen. Diese Gelder haben wir tatsächlich verausgabt. Der Mittelzufluss aus Investitionstätigkeit beträgt somit 2.238 EUR. (14:30)

Übrigens: Mit Hilfe des Anlagespiegels können wir ermitteln, ob der in der Summen- und Saldenliste angegebene Buchwert von 15.108 EUR korrekt ist. (BW2002+Zugänge2003-AfA2003-BW2003)

Finanzierungstätigkeit
Gleich sind wir auch schon fertig. Aus der Bilanz wissen wir, dass der Finanzmittelfond um 1.714 EUR geringer wurde. Bei einem Mittelzufluss von 108.651 EUR erscheint das kaum möglich. Na klar!!! Der „shareholder value“ macht es möglich. Wir wissen es ja schon. Über den Jahresüberschuss 2002 hinaus wurden 107.409 EUR an die Anteilseigner ausgezahlt (21.). Gleichzeitig wurden Darlehen (23.) in Höhe von 2.956 EUR getilgt, so dass wir nun weniger „Cash“ über haben.

Der Mittelabfluss aus Finanzierungstätigkeit beträgt 110.365 EUR.

Probe: 106.413 + 2.238 – 110.365 = -1.714 (14:35)

35 Minuten... Nicht schlecht!

Die direkte Methode
Das ging doch ganz flott. Da wir jetzt wissen, wie die einzelnen Teilergebnisse aussehen, gönnen wir uns jetzt den Luxus und ermitteln die Kapitalflussrechnung zusätzlich anhand der direkten Methode (Anlage 3). Einen Unterschied zwischen direkter und indirekter Methode gibt es nur bei der Ermittlung des Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit. Nur zur Erinnerung. Bei der direkten Methode werden aus der Gewinn- und Verlustrechnung diejenigen Posten herausgefiltert, welche zahlungswirksam sind.
Dazu packen wir die passenden Bestandsveränderungen der Bilanz aus Umlaufvermögen und Fremdkapital und erhalten so dem Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit.

Die Kapitalflüsse aus Investitionstätigkeit und aus Finanzierungstätigkeit entnehmen wir schlicht unserer Aufzeichnungen zur indirekten Methode (14:45).

So, das Wochenende kann beginnen...